• Romy

Halt die Klappe, du Otto!

Aktualisiert: Mai 8

Meine Eltern sind seit 40 Jahren verheiratet und haben sich in dieser Zeit weder laut gestritten, noch großartig geflucht. “So was macht man vor seinen Kindern nicht”, sagt mein Papa. Iiiiis klaaar...Meine Schwester und ich haben ihn wahrscheinlich einfach nicht stark genug gereizt. Wenn bei mir jemand den richtigen Knopf drückt, fluche ich wie eine serbo-kroatische Bürstenbinderin.


Vor meinen Kindern kann ich mir die richtig befreienden, inbrünstigen Ordinärworte verkneifen. Stattdessen pufft dann regelmässig ein klitzekleines “Du Otto” raus. Der Standard bei uns:

“Mama, die Isi hat ihren Quetschie in deinem Schuh ausgedrückt!

“Isi, boah du bist so ein Otto!"

“Nein, ich bin kein Otto. Der Ari ist ein Otto, ich war das nicht!“

„Ich war das auch nicht. Halt die Klappe! Die Pippa war das. Die ist hier der Otto.“


Wenn mein Pippa-Baby reden könnte, hätte es sich in der Otto-Diskussion garantiert auch lautstark verteidigt.


Meinem Papa gefällt diese Art der namensgebenden Streitkultur natürlich so gar nicht. Er sagt, dass das die Kinder präge. Vielleicht stimmt das auch. Ich bin ja immer davon ausgegangen, dass „Otto“ im Brockhaus des sanften Tadels an hinterster Stelle steht. Aber irgendwie hat sich der Begriff dann doch bei meinen Kindern eingeschlichen.




So kommt es, dass mein Sohn beim Vorlesen von „Benjamin Blümchen“ anfängt irritiert die Augenbrauen hochzuziehen.


„Mama, wieso heisst der Junge in dem Buch denn Otto?“

„Du, das hat sich die Elfie so ausgedacht. Die hat das Buch geschrieben und fand den Namen schön.“

„Aber Mama. Otto ist doch ein Schimpfwort!“

Mein Sohn hat natürlich nicht verstanden, wieso ich laut auflachen musste. Gleichzeitig haben mir alle echten Namensträger leid getan, weil sie bei uns zuhause immer so fies herhalten müssen. Ich habe meinem Sohn dann erklärt, dass Otto ein total schöner Name ist, der bald bestimmt wieder in Mode kommt. Und dass ich einfach eine wahnsinnig unhöfliche Person bin.

Hach ja ... mein Papa hat schon Recht. Die Kinder behalten sich so was. Aber ich kann in bestimmten Momenten einfach nicht aus meiner Haut. Wenn mein Mann zum 10. Mal versucht, seine Liegestützgriffe erfolglos zwischen meinen Schöner-Wohnen-Magazinen zu verstecken, muss ich ihn einfach mal ordentlich vor Publikum anpampen. Denn:

  1. ... gehören diese Liegestützgriffe nirgendwo anders hin als in einen anderen Haushalt, in dem sie auch tatsächlich genutzt werden.

  2. ... sollen meine Kinder lernen, dass es ok ist, wenn man sich streitet. Denn es ist doch entwicklungstechnisch bestimmt nicht verkehrt, wenn sie sehen, dass wir uns jedes Mal wieder vertragen, oder?

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