• Romy

Ich wünscht, ich wär ein bisschen schlauer

Aktualisiert: Mai 8

Mensch, was habe ich mich all die Jahre angestrengt. Ich bin regelmässig zur Schule gegangen, habe eine solide Ausbildung gemacht und sogar eine Magister-Urkunde irgendwo im Keller liegen. Und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass ich Schlaumeier irgendwie immer noch nichts gefunden habe, das ich so richtig gut kann.



Gucke ich mir zum Beispiel mein näheres Umfeld an, dann schrumpft mein Ego körpergrössenmässig von 1,67 cm auf 1,27. Da gibt es etwa den Patenonkel meiner Mittleren, der als furchtbar wichtiger Mensch irgendwas mit Raketen zu tun hat. Oder eine Bekannte, die schicke, schweineteure Elektro-Autos SELBST entwickelt. Da ist meine richtig gutaussehende Model-Nachbarin, die nicht nur schlau ist, sondern deren Beine genauso lang sind wie mein geschrumpftes Ego; und nicht zu vergessen der beste Freund meines Mannes, der als ziemlich bekannter DJ durch die Welt jettet und mit Partys einen riesigen Haufen Geld verdient.


“Personality” für den Jobmarkt ist ausbaufähig

Wenn ich dann auf einem Jobportal sehe, dass ein ehemaliger Klassenkamerad als Professor für künstliche Intelligenz durchstartet, frage ich mich, ob er mich nicht irgendwo anstöpseln und mir ein paar schlaue Dateien übertragen kann. Ich weiss, beruflicher Erfolg hat nicht zwangsläufig etwas mit einem Titel oder dem Besuch von 25 Fortbildungen zu tun. Aber man kommt mit mehr Grips vielleicht einfach auf bessere Ideen, seine “Personality” für den Jobmarkt noch weiter auszubauen.


Wenn ich meiner besten Freundin davon erzähle, macht sie mich verblüfft darauf aufmerksam, dass mein Ego eigentlich so groß ist wie immer und ich insgesamt einen ganz zufriedenen Eindruck mache. Stimmt schon, denn ich habe drei süsse Kinder, einen tollen Ehemann und einen Job, bei dem meine Karriere zwar nicht steil geht, der mir aber ehrlich gesagt sehr viel Spass macht.


Ist Mittelmässigkeit schlecht?


Warum also immer diese Vergleiche und das Streben nach mehr? Vielleicht sollte ich mich stärker auf das besinnen, was ich habe. Und was mein Können angeht: Was ist so schlimm daran, wenn man in manchen Bereichen einfach auch mal mittelmässig gut ist? Ich habe ja schon oft erwähnt, dass ich nicht gut in Wände bohren kann. Aber die Regale krieg ich trotzdem angeschraubt. Und nur darum geht es doch. Am Ende kriegt man es hin, auch wenn es dafür ein paar Versuche mehr braucht.

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