• Romy

Mach mich reich, Instagram!

Aktualisiert: Mai 8

Als Influencer und Blogger mit gesponserten Posts die große Kohle zu scheffeln - davon träumen viele. Ist ja auch total cool und easy: Ich suche mir ein nettes Friede-Freude-Eierkuchen-Bildchen auf meinem Smartphone aus, garniere es mit ein paar blumigen Zeilen, hau es raus auf Instagram und schon klingelt die Kasse… das mag vielleicht auf Kylie Jenner zutreffen. Denn irgendeiner ihrer 223 Mio. Follower kann sich für ihre hautengen, taupefarbenen Batik-Badeanzüge von Gucci bestimmt begeistern.


Zwei Frauen lehnen an Gartenbank und lächeln sich an

Mit KOKODU zähle ich jetzt auch zu den Bloggern. Allerdings erscheine ich potenziellen Kooperationspartnern mit einer Reichweite von ziemlich genau 254 Kontakten derart unterhalb des Influencer-Radars… da klingelt rein gar nichts. Gucci hat mich bis jetzt zumindest noch nicht angerufen. Das ist jetzt auch nicht weiter schlimm, denn Batik habe ich zuletzt mit 11 getragen - gleiches gilt für den Badeanzug.

Trotzdem fasziniert mich das Blogger-Dasein. Denn je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr merke ich, wie zeitaufwändig die konstante Betreuung eines Social-Media-Kanals ist. Natürlich dauert es ein bisschen, bis ich für KOKODU einen Beitrag geschrieben und das dazugehörige Foto geschossen habe. Aber dann sind da auch noch der nicht immer selbsterklärende Umgang mit dem Blog-System, der doch sehr anstrengende Kampf ums Google-Ranking und die ganzen Werbemaßnahmen.


Wenn ich also runter rechne, investiere ich für einen Beitrag wie diesem Interview gut und gerne drei bis vier Stunden. Während ich mit einer Story pro Woche diese Stunden gut verteilt bekomme, beschäftigen sich andere mindestens vier Stunden mit ihren Posts - und das täglich.


Fakt ist, dass das Bloggen zum Beruf geworden ist. Was für uns 08/15-Instagramer so einfach wirkt, ist für echte Influencer mit vielen Followern ein hart umkämpfter Markt, bei dem jeder Klick zählt. Rosamonalu, die in meiner direkten Nachbarschaft wohnt und im echten Leben Mona heißt, kennt die Blogger-Szene gut. Wir arbeiten gelegentlich zusammen und ich finde es spannend, was sie zu erzählen hat:


Liebe Mona, mit fast 25.000 Abonnenten auf Instagram zählst du zu den Influencern. Wann hast du mit dem Bloggen angefangen?

Das war Anfang 2015. Da waren wir gerade in den Flitterwochen auf Mauritius und den Seychellen. Ich habe es so genossen und wollte meine Eindrücke unbedingt teilen. Intensiver wurde es dann mit meiner ersten Schwangerschaft, die ich mit Beiträgen begleitet habe. Ich habe sehr viele andere Mamis kennengelernt, mit denen ich mich ausgetauscht habe. Mit vielen habe ich heute noch Kontakt.


Was macht deinen Kanal so besonders?

(lacht) Das ist eine gute Frage, da musst du mal meine Follower fragen. Ich glaube, ich bin authentisch und zeige das, was mich bewegt: die täglichen Herausforderungen, Urlaubsreisen, Dinge, über die ich mich freue und eben auch Momente, in denen es mir mal nicht so gut geht. Ich hoffe, dass ich den ein oder anderen inspirieren kann und möchte gerne Mehrwert bieten, indem ich Do-it-yourself-Projekte oder Rezepte poste. Die würde ich auch ohne Instagram machen.

Kannst du davon leben?

Sagen wir so: Ja, ich könnte davon leben, sogar sehr gut - wenn ich mich noch mehr reinknien würde. Aber so, wie es jetzt gerade läuft, ist es für mich perfekt. Ich habe ja noch einen Teilzeitjob und eine Familie. Da möchte ich mich nicht ununterbrochen mit Instagram beschäftigen.

Der Austausch ist wichtig - wichtiger als die Zahl deiner Follower

Wie funktioniert das mit dem Geld verdienen?

Früher hat die Zahl der Follower eine große Rolle gespielt. Bei mir kamen die ersten Firmen auf mich zu, als ich um die 5000 Abonnenten hatte. Mittlerweile ist die Reichweite wichtig, denn Follower kann man sich kaufen. Die Reichweite kommt durch den Austausch mit Followern zustande. Aus diesem Grund sind für uns Influencer Klicks und Kommentare wichtig, denn die zeigen, dass deine Beiträge auch wirklich gelesen werden. Heute werden Kooperationen professionell durch Agenturen angestoßen.


Wofür wirbst du?

Ich werbe für Dinge, die zu mir passen und von denen ich selbst überzeugt bin. Ich interessiere mich zum Beispiel sehr für gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit. Oft ist es so, dass ich Produkte teste, bevor ich werbe. Überzeugen sie mich nicht, kommt die Kooperation nicht zustande.


Dafür danke ich dir sehr. Ich habe dir auch schon Dinge nachgekauft. Ein Paar sauteure Schuhe und einen Lockenstab!

(lacht) Das freut mich, wenn ich dich inspirieren konnte. Ich finde Instagram auch unheimlich spannend. Ich liebe es, mir Accounts über Inneneinrichtung anzugucken und habe mir auch schon Erziehungstipps geholt.


Wie viel Zeit investierst du täglich in deine Beiträge? Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Gute Frage...Ich habe meine Stunden bislang noch nicht gezählt. Aber ich würde schon sagen, dass ich auf einen Arbeitstag komme. Das fängt morgens an mit E-Mails beantworten an. Ich sage Kooperationen zu oder ab, sichte Verträge und schließe sie ab. Und dann sind da natürlich die etwas mühseligen Steuerangelegenheiten. Kommen Kooperationen zustande, muss ich mir ein Konzept für die Umsetzung überlegen. Das kann schon mal so weit gehen, dass ich mir extra für ein Bild eine Location miete, für die ich in Vorleistung trete. Und ich grüble lange über gute Texte nach, die zu mir passen und über das Produkt informieren. Für meine privaten Beiträge nehme ich mir ebenfalls viel Zeit. Wenn ich zum Beispiel ein Rezept poste, begleite ich die Zubereitung mit meiner Kamera. Das kann dauern.


Wo landest du am Ende des Monats? Drei- oder vierstellig?

Das ist immer unterschiedlich. Es kommt darauf an, mit welchen Firmen ich zusammenarbeite. Große Firmen zahlen gut, das kann dann schon in den vierstelligen Bereich gehen. Start-ups haben ein kleineres Budget und zahlen gerne über Provisionen. Aber es kommt schon was zusammen.

Was bedeutet für dich, als Influencer erfolgreich zu sein?

Für mich bedeutet Erfolg, wenn meine Beiträge gut ankommen. Wenn sie inspirieren oder zum Nachdenken anregen. Deshalb ist das Feedback für mich wichtig. Ob es jetzt Likes sind, Kommentare oder das Teilhaben an meinen Stories. Ich beantworte Nachrichten immer noch selbst und es interessiert mich ehrlich, was die Leute zu sagen haben.

Instagram ist ein hart umkämpfter Markt. Macht es dich nervös, wenn Leute abwandern?

Wenn ich an einem Tag plötzlich 100 Follower weniger habe, überlege ich schon, ob ich vielleicht irgendwas falsch gemacht habe. Aber dann ist es eben so, dass die Leute einfach andere Interessen haben. Ich freue mich über jeden, der mir treu bleibt. Im Endeffekt ist es das, worauf es ankommt.

Achtest du darauf, wer dir folgt? Kannst du das überhaupt überblicken?

Ja, ich achte schon darauf, wer mir folgt. Ich sortiere zum Beispiel auch unseriöse Profile aus oder Menschen, die nicht zu meiner Zielgruppe passen. Ich gucke nämlich schon, was meine Follower so machen. Aber bei 25.000 Followern kann ich das natürlich nicht im Detail leisten.

Auch ich habe schon mal Fehler gemacht, die von meinen Followern abgestraft wurden.

Hast du schon mal schlechte Erfahrungen mit deinen Abonnenten gemacht?

Ja, tatsächlich ist das auch schon passiert. Aber eher umgekehrt, da habe ich einige Leute verärgert. Ich erinnere mich an zwei Kooperationen, die nach hinten losgegangen sind. Es ging unter anderem um Produkte, die nicht nachhaltig waren. Meine Follower reagieren da sehr sensibel. Zurecht. Damals habe ich zu kurz gedacht. Heute bin ich weitsichtiger. Außerdem achte ich darauf, dass sich private Beiträge und Werbung in der Waage halten.

Du teilst dein Leben mit sehr vielen Menschen, die du nicht persönlich kennst. Welche Rolle spielt dabei deine Familie?

Letztendlich weiß ich nicht, was mit meinen Beiträgen passiert. Mal abgesehen davon, dass sich mein Mann nicht gerne zeigt, halte ich meine Familie weitestgehend raus. Ich berichte zwar über mein Familienleben. Aber ich gehe mit den Fotos, die meine Kinder zeigen, zurückhaltender um. Kinderfotos kommen gut an bei Instagram und man kriegt als Influencer Reichweite. Ich habe für mich entschieden, dass ich das nicht möchte.

Was muss ich tun, damit mich Gucci wegen Instagram vielleicht doch mal anruft?

(lacht) Tja Romy, da müsstest du dir vielleicht einen Fußballspieler angeln und bei den ganz Großen mitmischen. Ich will dich nicht demotivieren, aber bei Gucci wirst du eher keine Chance haben.

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